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Stromausfall im Homelab und Home-Office: Was passiert, wenn der Strom weg ist?

Warum das Thema auch DevOps-Leute betrifft

Du betreibst Proxmox im Keller, ein NAS mit den Familienfotos, einen Router mit WireGuard und vielleicht einen kleinen Kubernetes-Cluster zum Üben. Alles läuft stabil, Monitoring meldet grün. Dann flackert das Licht, und es ist still.

Ein Stromausfall ist für ein Homelab der Moment der Wahrheit. Nicht der Ausfall selbst richtet den Schaden an, sondern das, was danach passiert: Dateisysteme, die mitten im Schreiben abgeschnitten werden. Ein ZFS-Pool, der beim nächsten Start lange prüft. Eine Datenbank, die nicht mehr hochkommt. Und ein Home-Office, das ohne Internet nicht arbeiten kann, obwohl der Laptop noch drei Stunden Akku hat.

Die gute Nachricht: Mit überschaubarem Aufwand machst du aus einem harten Absturz ein geordnetes Herunterfahren. Dieser Artikel zeigt, worauf es ankommt.

Was bei einem Stromausfall in welcher Reihenfolge ausfällt

Bevor du Technik kaufst, lohnt sich ein Blick auf die Kette, die ein Blackout auslöst:

  • Sofort: Alles ohne Akku ist aus. Server, Switch, Router, Glasfaser-Modem, NAS. Gleichzeitig funktionieren Kartenterminals und Geldautomaten nicht mehr.
  • Nach 30 Minuten bis einigen Stunden: Mobilfunkmasten laufen auf Notstrom-Akkus, dann ist auch dort Schluss. Dein LTE-Backup hilft also nur am Anfang.
  • Nach wenigen Stunden: Kühlschrank und Gefriertruhe werden zum Problem, in höheren Stockwerken kann der Wasserdruck nachlassen.

Für das Homelab heißt das: Du brauchst keine Stunden Laufzeit für die Server. Du brauchst genug Zeit, um sauber herunterzufahren, und eine klare Reihenfolge für den Neustart.

Die USV: kleiner Akku, große Wirkung

Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) überbrückt kurze Aussetzer und kauft dir bei längeren Ausfällen die Minuten für ein geordnetes Herunterfahren.

Welcher Typ?

  • Offline/Standby: günstig, schaltet bei Ausfall in wenigen Millisekunden um. Für Router und Modem oft ausreichend.
  • Line-Interactive: gleicht zusätzlich Spannungsschwankungen aus. Für die meisten Homelabs der beste Kompromiss.
  • Online (Doppelwandler): liefert permanent aufbereiteten Strom, ist aber lauter, teurer und hat höhere Eigenverluste. Selten nötig.

Wie groß?

Miss zuerst, was dein Setup wirklich zieht. Ein Zwischenstecker mit Leistungsmessung reicht. Ein typisches kleines Homelab:

GerätLeistung
Mini-PC mit Proxmox15–35 W
NAS mit zwei Platten15–25 W
Switch5–15 W
Router + Glasfaser-Modem10–20 W

Als Faustregel für die Laufzeit: Akkukapazität in Wattstunden × 0,7 (Wechselrichter-Verluste, Alterung) ÷ Last. Eine USV mit einem 12-V-Akku mit 9 Ah hat rund 108 Wh, nutzbar sind etwa 75 Wh. Bei 60 W Last reicht das für gut eine Stunde. Verlass dich aber auf die Laufzeittabelle des Herstellers, nicht auf die VA-Zahl auf der Verpackung.

Wichtig: Router, Modem und Switch gehören mit an die USV. Sonst laufen die Server weiter, sind aber nicht erreichbar, und dein Monitoring schickt keine einzige Meldung mehr.

Sauber herunterfahren mit NUT

Eine USV ohne Software verlängert nur den Moment, bis alles hart ausgeht. Den Unterschied macht NUT (Network UPS Tools): Es liest den Akkustand über USB und fährt Systeme rechtzeitig herunter, auch über das Netzwerk.

Auf dem Host, an dem die USV per USB hängt (zum Beispiel der Proxmox-Knoten):

apt install nut

/etc/nut/nut.conf:

MODE=netserver

/etc/nut/ups.conf:

[usv]
    driver = usbhid-ups
    port = auto
    desc = "USV Serverschrank"

/etc/nut/upsd.users:

[monuser]
    password = ein-langes-passwort
    upsmon primary

/etc/nut/upsmon.conf:

MONITOR usv@localhost 1 monuser ein-langes-passwort primary
SHUTDOWNCMD "/sbin/shutdown -h +0"

Danach die Dienste neu starten und prüfen, ob die USV antwortet:

systemctl restart nut-server nut-monitor
upsc usv@localhost battery.charge
upsc usv@localhost battery.runtime

Ältere NUT-Versionen verwenden statt primary und secondary noch master und slave. Ein Blick in die Doku deiner Distribution spart hier Fehlersuche.

Weitere Systeme wie ein zweiter Server, das NAS oder ein Raspberry Pi laufen als NUT-Client und hängen sich per Netzwerk an den Server. Viele NAS-Systeme bringen dafür eine eigene Einstellung „Netzwerk-USV“ mit. Damit upsd von außen erreichbar ist, muss in /etc/nut/upsd.conf eine passende LISTEN-Zeile stehen, und die Firewall den Port 3493 nur aus dem Heimnetz zulassen.

Proxmox: VMs geordnet stoppen

Wenn der Host herunterfährt, stoppt Proxmox die Gäste. Damit das sauber passiert:

  • In jeder VM den QEMU Guest Agent installieren und in den VM-Optionen aktivieren. Dann fährt die VM selbst herunter, statt abgeschaltet zu werden.
  • Unter Start/Shutdown order die Reihenfolge festlegen: Datenbanken zuletzt stoppen und zuerst starten.
  • Den Shutdown timeout so wählen, dass er in deine USV-Laufzeit passt.

Testen, bevor es ernst wird

Zieh an einem ruhigen Nachmittag den Stecker der USV und schau zu: Wann meldet NUT OB (On Battery)? Wann LB (Low Battery)? Fährt alles in der richtigen Reihenfolge herunter? Ein ungetestetes Shutdown-Skript ist kein Plan, sondern eine Hoffnung.

Internet-Backup fürs Home-Office

Der Laptop läuft mit Akku weiter, der Router nicht. Zwei Bausteine helfen:

  • Router und Modem an die USV. Bei einem lokalen Ausfall, etwa durch eine ausgelöste Sicherung im Haus, bleibst du online, solange draußen das Netz noch Strom hat.
  • Mobiles Internet als Reserve: ein Hotspot über das Smartphone oder ein LTE-Router. Bei einem großflächigen Ausfall funktioniert das allerdings nur, solange die Masten Notstrom haben. Plane es als Brücke für die ersten Stunden ein, nicht als Dauerlösung.

Und ganz praktisch: Eine geladene Powerbank mit USB-C Power Delivery hält Laptop oder Smartphone länger am Leben als jede Steckdosenleiste.

Das Offline-Runbook

Dein schönstes Runbook liegt in Confluence oder im Obsidian-Vault auf dem NAS. Beides ist bei einem Stromausfall nicht erreichbar. Deshalb gehört eine Seite auf Papier in den Serverschrank:

  • Wiederanlauf-Reihenfolge: Modem → Router → Switch → NAS → Hypervisor → VMs.
  • Zugangsdaten für den Notfall (verschlossen, nicht im Klartext an die Tür geklebt).
  • Wie du prüfst, ob ZFS-Pools und Datenbanken sauber hochgekommen sind.
  • Wer im Haushalt was tun darf, wenn du nicht da bist.

Nach dem Wiederanlauf lohnt ein kurzer Check: Sind alle Dienste da? Hat das Monitoring Lücken? Sind Backups durchgelaufen, die während des Ausfalls geplant waren?

Und jenseits des Homelabs?

Spätestens wenn der Strom länger als ein paar Stunden weg ist, ist dein Homelab nicht mehr das wichtigste Thema. Dann geht es um Wasser, Essen, Licht, Wärme und Informationen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt jedem Haushalt, sich für möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können, und rechnet mit 2 Litern Getränken pro Person und Tag. Ein batteriebetriebenes Radio und etwas Bargeld gehören ebenfalls dazu, weil Mobilfunk und Kartenzahlung ausfallen.

Fazit: Planen statt hoffen

Eine USV, NUT mit getesteter Shutdown-Reihenfolge, Router und Modem an der Batterie und eine Seite Papier im Schrank: Mehr braucht ein typisches Homelab nicht, um einen Stromausfall ohne Datenverlust zu überstehen. Der Aufwand ist ein Nachmittag. Der Unterschied zeigt sich in der Nacht, in der das Licht ausgeht.

Weiterlesen: Wer über das Homelab hinaus vorsorgen will, findet auf meiner Seite Krisenvorsorge zuhause die amtlichen Vorratsmengen pro Person, einen Vorrats-Rechner mit Einkaufsliste zum Ausdrucken und die Reihenfolge, in der Systeme bei einem Blackout ausfallen. Die Seite fasst mein Buch „Krisenfest – Der BBK-Ratgeber für Ihr Zuhause“ zusammen und verlinkt die Quellen des BBK.

Wie ist dein Homelab gegen Stromausfall abgesichert? Läuft bei dir schon NUT, oder fährt alles hart aus? Schreib es in die Kommentare.

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